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Bei uns kommt der Moscht immer noch aus der Steckdose.
Trafohäusle in Oberschwaben
sowie in den Regionen Bodensee, Hohenzollern, Linzgau, Hegau und Südostbaden

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Durch Anklicken erhalten Sie die Photographien im Großformat

Sentenhart   Sentenhart
Trafohaus Sentenhart mit den für Hohenzollern typischen Vogelhäusern
Photos von Richard Molke, 2008
Elektrizität wird in Hohenzollern gerne als Saft oder Most ("Moscht") bezeichnet. Dementsprechend werden die Trafohäuschen hier deftigerweise Saftturm (analog dem angelsächsischen Juice Tower) oder Mostkasten ("Moschtkäschtle") genannt. Der auf obigen Photos dargestellte Transformator heißt also hierzulange "Moschtkaschte mit Nischtkäschtle".


Rothenlachen 1 Rothenlachen 2 Rothenlachen 3 Rothenlachen 4 Rothenlachen 5
Rothenlachen - Eine Transformatorstation der Premiumklasse
Photos von Richard Molke, 2010
Abgelichtet an einem Märztag strahlt dieses Trafohäusle eine verhaltene Vorfrühlingsstimmung aus.



Ruhestetten 1   Ruhestetten 2   Ruhestetten 3
Still ruht der Strom in Ruhestetten
Photos von Richard Molke, 2008
Das Ruhestetter Stromtürmle ist gleichsam der ruhende Pol des malerischen, am Rande des gleichnamigen Ruhestetter Rieds gelegenen Dorfes.



Ruhestetten West   Ruhestetten West   Ruhestetten West   Ruhestetten West
Haus der Hochspannung Ruhestetten-West
Photos von Richard Molke, 2008
Am Nordrand des Ruhestetter Rieds (Naturschutzgebiet) gelegen, ist dieser Trafo ein lebendiges Beispiel dafür, daß Strom selbst in unserem aufgeklärten Jahrhundert noch nicht sinnlich erfahrbar gemacht werden konnte. Unser Lehrer, Herr Seitz, pflegte in solchen Fällen immer zu sagen: da ist noch mancher Nobelpreis zu holen. Den Interessierteren unter Ihnen ist bestimmt schon die Beschriftung an den Außenwänden aufgefallen: Auf der einen Seite 'Kalkofen' auf der anderen Seite 'Ruhestetten'. Man kann Strom weder sehen noch riechen noch hören, wir werden also wohl nie erfahren, ob der Saft von Kalkofen kommt und weiter nach Ruhestetten geht, oder umgekehrt von Ruhestetten kommt und nach Kalkofen geleitet wird, oder ob er wechselt (Wechselstrom). Die englische Popgruppe ACDC (leider bereits verstorben) hat sogar ein schönes Lied über den Wechselstrom geschrieben: Highway to hell (auf deutsch: die Autobahn ins Helle), eine wohl ziemlich eindeutige Anspielung auf die erstaunliche Lichtwirkung des Wechselstroms.
Der Trafo Ruhestetten-West - ein Relikt in unserer ansonsten an Geheimnissen und Rätseln doch so arm gewordenen Zeit. Prädikat: besonders empfehlenswert bei Nebel.



Aach-Linz 1   Aach-Linz 2
Trafohäusle Aach-Linz in vorfrühlingshafter Februarstimmung
Photos von Richard Molke, 2008
Der Ort Aach-Linz war namensgebend für das Linzgau.
Beachten Sie bitte auch den eiszeitlich geprägten Landschaftsverlauf.



Aach-Linz Loewen 1 Aach-Linz Loewen 2 Aach-Linz Loewen 3 Aach-Linz Loewen 4 Aach-Linz Loewen 5
Transformatorstation Aach-Linz Löwen
Photos von Richard Molke, 2010
Glücklich der Ort, der zwei Transformatoren hat. Dieser, in der Nähe des gleichnamigen Gasthauses Löwen gelegen, steht dem anderen an Schöheit und Funktionalität in nichts nach.



Tautenbronn
Die Umspannstation Tautenbronn
Photo von Richard Molke, 2008
Schlichte, traditionelle Form, strahlend weiß gekalkte Wände, die unwillkürlich an Griechenland erinnern, ein Ziegeldach, das seinesgleichen sucht, straff gespannte Drähte, durch die ohn' Unterlaß der Saft fließt - so einen Transformator gibt es nur in Tautenbronn! Deshalb haben wir diesem Phänomen eine Sonderseite mit zahlr. weiteren Photographien von R. Molke, W. Häberle und E.v. Seydlitz gewidmet:
Die Umspannstation Tautenbronn im Wechselspiel der Jahreszeiten. Unbedingt mal reinklicken!



Strass 1 Strass 2 Strass 3
Kein Streß mit dem Strom in Straß
Fotos von Richard Molke, 2010
Die Umspannstation Pfullendorf-Denkingen/Straß versteckt sich etwas abseits der großen Straße, aber der Photograf hat sie trotzdem gefunden.



Kalkofen
Der legendäre Kalkofener Transformator am Steilhang
Photo von Winnetou Häberle, 2008



Seelfingen   Seelfingen
Elektrischer Turm in Seelfingen auf offenem Feld
Photos von Richard Molke, 2008
Die Aufnahme zeigt, daß auch in Seelfingen ELEKTRIZITÄT ganz groß geschrieben wird.



Bruckfelden
Bruckfelder Umspannwerk vor dem unvergleichlich blauen Linzgauer Himmel
Photo von Richard Molke, 2008



Ernatsreute 1   Ernatsreute 2   Ernatsreute 3
Pittoreskes Trafohäuschen in Ernatsreute im typischen Oberlinzgauer Stil
Photos von Richard Molke, 2008



Lippertsreute
Lippertsreute: Transformation allenthalben
Photo Winnetou Häberle, 2008
Auch dieser staatlich anerkannte Erholungsort ist voll elektrifiziert, was in unserer Gesellschaft, die die Nacht zum Tag gemacht hat, eigentlich nichts besonderes mehr ist. Vieles ist uns einfach selbstverständlich geworden, was früher in dieser Form mehr oder weniger garnicht vorstellbar war.


Frickingen
Direkter Draht nach oben (drahtlos) in Frickingen
Photo Elvira von Seydlitz, 2008
Nicht nur architektonisch ein Unikat: Die Verbindung nach oben wird hier ganz ohne Drähte hergestellt. Viele werden nun sagen: hähä, das kann mein Handy aber auch! ABER: strahlt das Handy auch diese kontemplative, gänzlich ohne nervende Klingeltöne auskommende Ruhe aus? Hier wird jedenfalls niemand durch SPAM und kostenpflichtige SMS-Nachrichten belästigt, und das bei hundertprozentiger Gebührenfreiheit.


Pfoerendorf   Pfoerendorf
Trafo zur schönen Aussicht: Pförendorf
Photos von Richard Molke, 2008
Das Bauwerk selbst mag als häßliches kleines Entlein durchgehen, die Aussicht aber über das Linzgau ist grandios! Insofern möchten wir diesen Transformator gerne "Bellevue" taufen. Wobei evtl. noch anzumerken ist, daß kein Mensch weiß, wo Pförendorf liegt. Oder nur sehr wenige, gemessen an der Weltbevölkerung (zur Zeit bereits mehrere Milliarden, ganz genau weiß das auch keiner).


Vorstadt 1   Vorstadt 2   Vorstadt 3   Vorstadt 4
Zusammenprall zweier Welten: Umspannwerk Vorstadt
Photos von Fülberth-Maria Köttker, 2008 (rechtes Bild 2010)
Das zierliche, rührend altmodische Trafohäusle, Relikt aus einer Zeit, in der zwar nicht alles besser, aber immerhin langsamer war, vor einem modernen Mast drahtloser Energieübertragung: götzendienendes Monument einer habgierigen Wirtschaft, einer kommunikationssüchtigen Gesellschaft. Die Polarität dieses Motivs zog den Photographen bis zum Sonnenuntergang in seinen Bann, wie auf den beiden mittleren Bildern zu sehen ist. Das rechte Foto entstand im Februar 2010: das Umspannwerk ist abgerissen. Ist das der Beginn einer neuen, modernen Ära? Weg von der kabelgebundenen Elektrizität und hin zur drahtlosen Fernübertragung? Vorteil: man stolpert nicht immer über das Kabel. Aber warum wurde dann das Kabelfernsehen eingeführt? Irgendwie hat das alles keine Struktur, kein Konzept, keine Logik. Man weiß so wenig.


Kleinschoenach
Klein aber fein: das Trafohäuschen Kleinschönach
Photo von Richard Molke, 2008


Grossschoenach
Groß aber schön: das Trafohäuschen Großschönach
Photo von Richard Molke, 2008
Wo Kleinschönach ist, ist auch Großschönach nicht weit.


Sohl   Sohl
Trafo zu Sohl im Nachmittagswind
Photos von Richard Molke, 2008
In Baustil, Lage und Verkabelung wohl das schönste, was diese Gegend der Transformationsphotographie zu bieten hat. Prädikat: Sohl ist allemal eine Reise wert! Wie hat immer schon unser verehrter Erdkundelehrer ("Erdkäs") und Wegbereiter der Transformationsphilosophie, Herr Kümmerle, gesagt: "Da fahren die Leute nach Italien und sonstwohin und kennen nicht einmal die Schönheit der Nachbarorte." (Zitat sinngemäß frei nach Gedächtnis)


Hohenbodman 1   Hohenbodman 2   Hohenbodman 3
Hohenbodman - Einer der höchstgelegenen Trafotürme des Linzgaus
Photos von Richard Molke, 2010

Zu finden zwischen Hohenbodman und Niederweiler (bei Neuhof)



Taisersdorf 1   Taisersdorf 2   Taisersdorf 3
Taisersdorf Breitle - Ein stillgelegter Trafo mit Nistkästen
Photos von Richard Molke, 2010
Diese einstmals stolze Transformatorstation ist stillgelegt, der Strom verläuft nunmehr unterirdisch. Statt der leider weit verbreiteten Abriss-Lösung dient er nun durch angehängte Nistkästen Singvögeln als Zufklucht und Brutmöglichkeit - ein Beispiel, das Schule machen sollte.


Hosskirch 2 Hosskirch 3 Hosskirch 4 Hosskirch 5 Hosskirch 6 Hosskirch 1
Hoßkirch - Die Umspannstation Watt-Forsthaus
Photos von Richard Molke, 2010
Wie der Name schon sagt, kriegt von hier das Forsthaus seine Volt und Watt (und manchmal sogar Kilowatt). Landschaftlich unglaublich schön in der Nähe des Hoßkircher Sees gelegen, verteidigt sich dieser Trafoturm fernab der Brennpunkte gegen die Anfechtungen der Moderne. Aber schon stehen unheilvolle Maschinen bereit... (siehe rechtes Bild)


Alberweiler   Alberweiler   Alberweiler
Alberweiler im Spannungsfeld von Elektrizität, Kunst und Fauna
Photos und elegischer Text: Elvira von Seydlitz, 2008
Alberweiler, dieses Oberlinzgauer Juwel, ist seit altersher ein Anziehungspunkt für Künstler, Lyriker, Maler, Musiker, Baumeister, Imker, Landwirte etc., die immer schon den freien Äther dieses idyllischen Fleckens zu schätzen wussten: Alberweiler liegt in einem ausgeprägten Funkloch und ist durch eine glückliche Fügung auf wunderbare Weise vor den Machenschaften der Mobilfunkmafia bewahrt worden - "noch" ist der Pessimist und/oder Realist versucht hinzuzusetzen, wiewohl trotzdem hoffend, daß nicht eines Tages auch hier einer der häßlichen und gesundheitsschädlichen Antennentürme sich erheben möge.
In drei Richtungen weist die Verkabelung des örtlichen Transformators, gleichsam, als ob er uns auf metaphorische Art einen Hinweis geben möchte auf die drei Himmelsrichtungen, die drei Elemente, die drei Jahreszeiten, die Dreigliederung, Dreifaltigkeit, das Dreirad etc. Schon der alte Meister Goethe berichtet im Faust II: "Aller guten Dinge sind drei!" Und der Volksmund weiß: "Essen und Trinken sind die drei schönsten Dinge im Leben!"
Wen wundert's, daß Alberweiler zur gentechnikfreien Anbauregion Herdwangen-Schönach gehört und gleichsam wie das berühmte gallische Dorf der Diktatur der selbsternannten Weltherrscher Monsanto & Konsorten trotzt, die mit Gift und Genen in einer nie gekannten Brutalität gegen Landwirtschaft, Demokratie, ja gegen die ganze Menschheit zu Felde ziehen. Wehrt euch, leistet Widerstand!
Nicht weit von der Umspannstation entfernt erfreuen zahlreiche kleinwüchsige, ausgesprochen niedliche Ziegen den Wanderer mit ihren Kapriolen. Munter weiden die gehörnten Tierchen in ihrem riesigen Freigehege. "An meiner Ziege hab' ich Freude": wo könnte das alte Volkslied mit dem lautmalerischen Refrain "Meck, meck, meck, meck" bedeutungsvoller gesungen werden als hier?
In welch krassem Gegensatz hierzu steht die leider in anderen Gegenden (man/frau braucht garnicht weit zu fahren) immer noch aufzufindende industrielle Massentierhaltung, namentlich seien hier stellvertretend die armen Schweine erwähnt. In fabrikähnlichen Hallen vegetieren die sympathischen Paarhufer zusammengepfercht ihrem sicheren Tod entgegen. Ob die Tiere, die ja auch Geschöpfe Gottes sind, angesichts der perfektionierten Tötungsmaschinierie, die unerbittlich und gnadenlos auf sie wartet, Sinn für Poesie und Mystik der Umgebung entwickeln können? Man hört das Kreischen der geplagten Kreatur, aber es besteht keine Hoffnung auf Humanität, auf Christentum, auf Erlösung. Was bleibt ist die Leere. Und die Elegie, insbesondere die Frenkenbacher Elegie.
Herzliche Grüße, Eure Elvira von Seydlitz (VegetarierIn).


 
Trafo Siessen 1 Trafo Siessen 2 Trafo Siessen 3 Das Kloster Siessen
Spätbarock bei Bad Saulgau: der Trafoturm Kloster Sießen
Photos von Richard Molke, 2010
Der Trafo beim Kloster Sießen ist ein herausragendendes Zeugnis spätbarocker Baukunst. Der Barock ist allerdings zugegebenermaßen SEHR spät :-)
Die Errichtung und Ausschmückung des anmutigen Türmchens wurde lange Zeit Dominikus Zimmermann zugeschrieben, der auch die Gestaltung der nahegelegenen Kloster- und Pfarrkirche St. Markus innehatte (siehe rechtes Bild: Abbildung Kloster Sießen). Nach neuesten der TRAPHO-Redaktion vorliegenden Informationen gehört dies aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ins Reich der Legenden, da die barocken Kunstwerke Zimmermanns in St. Markus relativ präzise auf die Jahre 1726-1729 datiert werden konnten. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts war jedoch der Wechselstrom noch garnicht erfunden! Schließen wir aber die Diskussion um die Urheberschaft des Trafos versöhnlich und einigen uns auf die Aussage, daß er in der TRADITION Dominikus Zimmermanns steht und - Barock hin oder her - die Franziskanerinnen des Klosters über Jahrzehnte mit der uns heute so selbstverständlich gewordenen Elektrizität versorgte und versorgt. Interessant in diesem Zusammenhang ist auch eine Künstlerin und Franziskanerin des Klosters, die mit ihren Bildern (nach denen dann später die Hummelfiguren angefertigt wurden) internationale Berühmtheit erlangte: Maria Innocentia Hummel (=Berta Hummel).



Schwarzachtal
Trafohäusle im malerischen Schwarzachtal bei heraufziehendem Gewitter
Photo von Richard Molke, 2004
Das erste und gleichzeitig eines der schönsten Dokumente der Transformationsphotographie.
Dieses Trafotürmle ist von Bad Saulgau aus leicht zu Fuß oder mit dem Fahrrad über das Mühlental, entlang der Schwarzach, zu erreichen. Leider muss man/frau vorher das Saulgauer Industriegebiet durchqueren. Aber danach wird's dann richtig schön.
Deshalb war uns die Umspannstation Schwarzach eine Sonderseite wert:
Der Trafoturm im Schwarzachtal



Zaisenhofen
Umspannwerk Zaisenhofen
Photo von Richard Molke, 2008
Zeitlos schön - und dabei garnicht weit weg von Kißlegg (Landkreis Ravensburg).
Weitere Trafotürme aus dem schwäbischen Teil des Allgäus siehe unter
Trafohäuschen im Allgäu



Bodman 1 Bodman 1 Skulptur von Peter Lenk
Der Trafoturm zu Bodman - Strom auch für Peter Lenk
Fotos von Richard Molke und Langomár Tiborski, 2010
In sich ruhend, als wäre er sich seiner wichtigen Funktion bewusst, mit herausragend schönem, von einer Spitze gekrönten Dach: so präsentiert sich der Trafo-Turm von Bodman. Trotz auf einer Seite gekappten Leitungen (mittleres Bild) versorgt er unverdrossen und gelassen gleichermaßen Bewohner, Feriengäste und Künstler. Denn (mindestens) einen solchen beherbergt der kleine Ort am Bodensee: den Bildhauer Peter Lenk, der mit seinen Skulpturen nicht nur in Konstanz (z.B. Imperia, Laube-Brunnen), Überlingen, Ludwigshafen, Pfullendorf und anderen südländischen Orten Aufsehen erregte, sondern weit über Landesgrenzen hinaus bis ins ferne Berlin (Gebäude der Tageszeitung taz) bekannt ist. Das rechte Foto zeigt eine Skulptur aus seinem Bodmaner Künstlergarten, die mit dem Fotografen Richard Molke eine frappierende Ähnlichkeit aufweist :-)
Dank dieses wunderbaren Transformators kann Peter Lenk (gerade in der dunklen Jahreszeit) auch bei Licht arbeiten und uns weiterhin neue Werke bescheren. Wäre es deshalb nicht eine gute Idee, das an und für sich schon hübsche Trafohäuschen mit einem kleinen Werk des Meisters zu verzieren? Wäre hier nicht die Gemeinde Ludwigshafen-Bodman oder der ansässige Energieversorger und Trafobetreiber gefordert?



Bauhaus-Trafo Radolfzell 1 Bauhaus-Trafo Radolfzell 2 Bauhaus-Trafo Radolfzell 3 Bauhaus-Trafo Radolfzell 4
Ein Meisterwerk: der Bauhaus-Transformator in Radolfzell
Photos: Friedbert Kowalsky, 2009 (linkes Bild) und 2010 (Bilder rechts)
Man schreibt das Jahr 2009. Wir befinden uns in Radolfzell, einem verschlafenen Nest am Bodensee im östlichen Südbaden (quasi in Deutschlands letztem Zipfele), große Kreisstadt seit dem 11. Jahrhundert. Fast jeder ist schon mal durchgefahren, ohne anzuhalten - was sich nun vielleicht als großer Fehler herausstellen könnte. Denn neben einem attraktiven Gewerbegebiet und einem malerischen Bahnhofs- und Vergnügungsviertel (einige werden es aus dem Dumont-Kunstreiseführer Höri-Mettnau kennen) bietet "mein Cella Ratoldi" - wie das Städtchen von Bischof Radolf von Verona in (weißgott seltenen) gutgelaunten Momenten scherzhaft genannt wurde - einen für Kunst- und Architekturfreunde schier unglaublichen Schatz: den ersten Bauhaustransformator an Deutschlands Südküste. Das muß man sich mal vorstellen! Der Entdecker, der lange als verschollen geltende Meßkircher Lyriker, Heimwerker und Bauhausexperte Friedbert Kowalsky, datiert diesen Transformator auf das Jahr 1923 und kann ihn nach jahrelangen Forschungsvorbereitungen eindeutig der Werkstatt von Ludwig Mies van der Rohe zuschreiben, was einer kleinen Revolution der Kunst- und Archtitekturgeschichte gleichkommt. Die Annalen des Bauhauses werden neu geschrieben werden müssen! Wir sind überglücklich über die exklusive Überlassung dieses einmaligen Fotodokuments durch "Bertl" Kowalsky. Fasziniert dieses Kleinod doch durch in seiner Wirkung und Aussage einmalige Klarheit der Formensprache, rechte Winkel - wo sinnvoll und nötig - und eine bestechende Ergonomie: kein opulenter Barockstuck, keine filigrane Jugenstilschnörkelei, kein klassizistischer Bombast, kurz eine Kompromißlosigkeit, wie sie nur Bauhaus hervorbringen konnte. Noch bis in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts konnte man/frau den letzten Trafohauswärter (der Beruf gilt heutzutage als nahezu ausgestorben und wurde durch elektronische Wartung ersetzt) beobachten, wie er nach Feierabend behäbig aus dem Giebelfenster lehnte und selbstvergessen den Hörifischern zuschaute, wie sie mit ungelenken Bewegungen ihre Einbäume und Lädinen ins dämmerige Zwielicht hinausruderten, gekleidet in ihre traditionellen bunten Fischerkittel und im Schein ihrer Positionslaternen ein Shanty singend, während die Sonne gleichsam wie ein glutroter Feuerball vor der scherenschnittartig-vulkanischen Silhouette der Hegauberge in den Fluten des Untersees versank.
Ein Aufschrei ging durch die Öffentlichkeit, als unlängst in den Medien über den geplanten Abriß dieses Denkmals berichtet wurde, das einer aktuellen Mischbebauung im postmodernen Stil (auf gut deutsch: häßliche, aber gewinnbringende Betonkästen in Billigstbauweise) weichen soll - gegen den Willen der Bevölkerung. Das Kuratorium "Bauhaus Transformator Radolfzell" (BTR) unter Leitung seines Gründers Friedbert Kowalsky bemüht sich um die Abtragung des Gebäudes. Es soll in Weimar von Spezialisten wieder orginalgetreu aufgestellt werden und so der Nachwelt erhalten bleiben. Das BTR wirbt deshalb um Unterstützung und Spendengelder.
Aktuelle Meldung vom 16. Mai 2010:
Bislang konnte das Kuratorium den Abriss verhindern, wie die neuen Aufnahmen (s.o.) zeigen. Für den diesjährigen Tag des Denkmals ist eine Großdemonstration vor Ort (ehemaliges Güterbahnhofgelände Radolfzell) geplant. Motto: Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt! Wir werden berichten.



Buesslingen   Buesslingen
Der Trafoturm von Büßlingen
Photos von Friedbert Kowalsky, 2009
Friedbert Kowalsky sei es gedankt, daß uns das südostbadische Büßlingen nicht durch die Lappen gegangen ist, ganz dicht an der Schweizer Grenze gelegen. Eidgenössische Einflüsse in Technik und Architektur sind unverkennbar.


Gaisbeuren   Gaisbeuren
Gaisbeuren bei Bad Waldsee
Photos von Friedbert Kowalsky, 2009
Oberschwäbischer Fleiß, aber auch oberschwäbische Sparsamkeit kennzeichnen dieses Trafohäuschen in der Umgebung von "Bad Halsweh", wie der idyllische Kurort von Einheimischen liebevoll im Spaß genannt wird.


Insel Reichenau
Schöner geht's kaum: der Trafo auf der Insel Reichenau
Photo von Friedbert Kowalsky, 2009
Wer bisher geglaubt hat, die Gemüseinsel im Bodensee hätte außer Gewächshäusern und Pestizidspritzen nichts zu bieten, wird bei diesem Anblick eines besseren belehrt.
Vergeltsgott Friedbert! Wo immer du dich auch aufhalten magst.


Ueberlingen
Ornamentale Backsteinarchitektur in Überlingen
Photo von Friedbert Kowalsky, 2009
Dieser Überlinger Trafoturm gereicht dem Badeort am Bodensee zu Ruhm und Ehre. Die Redaktion ist sich einig, daß er so manche Kirche, so manches Schloß an vollendeter Eleganz übertrifft. Auch das Wetter war herrlich.


Beuren an der Aach
Beuren an der Aach
Photo von Friedbert Kowalsky, 2009
Vergleichsweise schlicht, aber mit einer bestechenden Dachkonstruktion präsentiert sich dieser Transformator in Beuren.



Donautal
Zum Wohnhaus umgebautes Trafohäusle im Donautal, Heimstatt Friedbert Kowalskys in den 70er(?)-Jahren
Photo von Hans Korbmacher, 2007
Dieses durch Korbmacher überlieferte Zeitdokument (der genaue Ort der Aufnahme ist bis auf den heutigen Tag unbekannt geblieben) beweist zweierlei: Erstens die bereits (wahrscheinlich) in den späten Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts ungebrochene Kreativität des Meßkircher Nebenerwerbsdichters und Heimwerkers Friedbert Kowalsky, sowie aber auch zweitens die ungeahnten Verwendungsmöglichkeiten eines Trafohäuschens (wie in diesem Fall als durchaus gemütliches Wohnhaus, klein aber mein), so jemand nur ein gerüttelt Quentchen an Ideenreichtum und Tatkraft aufbringt, kurz: ein Trafohäuschen der Premiumklasse!


Bolstern
Bolstern - ein Dorf unter Strom
Photo von Siegwart Pyrrhus, 2008
Kehren wir gegen Ende dieser Seite wieder in den Landkreis Sigmaringen zurück, ja mehr noch: in den ehemaligen Landkreis Saulgau (SLG, Alt-Saulgau). Nehmen wir beispielsweise mit dem Fahrrad von Hoßkirch aus Kurs auf Bolstern, (gemeinsam mit Heratskirch Ortsteil des schönen Kurorts Bad Saulgau) durch das große, menschenleere Waldgebiet Wagenhardt, so erreichen wir jenseits des Waldrands das Bolsterner Hochspannungstal mit seinen überdimensionierten Masten, die einem die idyllische Ausicht auf das einzigartige Wiesental und den Kirchturm total versauen. Wie bescheiden nimmt sich dagegen mit seinem hübschen Dächle das Bolsterner Trafohäusle aus.




Geografisch werden auf dieser Seite - ungeachtet von Länderzugehörigkeit (Baden, Württemberg, Hohenzollern) und Sprachunterschieden (Schwäbisch, Alemannisch) - die Regionen Oberschwaben, Hohenzollern, Linzgau, Hegau und Südostbaden abgedeckt.



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Last Update: 25. Juli 2010
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