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Kanton Schaffhausen
Trafohäuser in und um Thayngen
Zur Gemeinde Thayngen gehören auch die Dörfer Altdorf, Barzheim, Bibern, Hofen und Opfertshofen.
Das Transformatorenhaus "Station Dorf" in Hofen von 1909
Fotos: Friedbert Kowalsky, 2010 (Bilder 1 u. 2 links oben) und Pit Fischer, 2011 (übrige)
Dieses außergewöhnliche Trafohaus steht einige hundert Meter hinter dem Grenzübergang von
Büßlingen
(Landkreis Konstanz)
Richtung Schaffhausen im kleinen Dorf Hofen in der Bruggwiesenstrasse, gegenüber
Haus Nr. 10, am östlichen Ortsrand. Ein älterer Dorfbewohner aus der Nachbarschaft des Turms erzählte uns,
dass die Strasse früher Fabrikstrasse hieß. Das würde auch das Hausnummernschild "38"
über der Tür erklären.
Die Station sei wegen der hier ansässigen Zündel'schen Ziegelwerke gebaut worden. Durch die Ziegelfabrik sei
Hofen das erste Dorf mit Strom in der ganzen Region gewesen.
1908 befürwortete das Schaffhauser Stimmvolk die Gründung des Elektrizitätswerks des Kantons Schaffhausen, welches
in der Folge in zügiger Aufbauarbeit ein elektrisches Leitungsnetz für den gesamten Kanton schuf (ausgenommen die
Gemeinden Schaffhausen und Hallau, die bereits über eigene Elektrizitätswerke verfügten). Das Transformatorenhaus
in Hofen wurde bereits 1909 durch das Elektrizitätswerk des Kantons Schaffhausen erbaut.
Es ist ein wichtiger Zeuge der technischen Infrastruktur im ländlichen Raum und dokumentiert den Beginn der
Elektrifizierung Hofens.
Der in seiner äusseren Form ursprünglich erhalten gebliebene, turmartige Massivbau mit verputzten Fassaden und
ziegelgedecktem Mansardwalmdach setzt im ebenen, von Wiesen un Äckern geprägten Gelände einen weithin sichtbaren
architektonischen Akzent. Als zeittypisches Bauwerk der ländlichen Stromversorgung weist er eine zurückhaltende
architektonische Gestaltung auf, die vom damals sich durchsetzenden Heimatstil beeinflusst ist. Charakteristisch sind der rohe
Behau und die Quaderhaftigkeit der Kalksteingewände, ebenso der Turmhelm.
Über einem verputzten, als Sockel ausgebildeten Erdgeschoss tragen die Obergeschosse einen rauhverriebenen, beige gestrichenen
Putz (vermutlich von einer nachträglichen Fassadensanierung stammend). Die von Hausteinquadern eingefasste Eingangstür sitzt
in der zur Strasse hin ausgerichteten Südfassade. Auch die sich auf der Süd- und Nordseite in den Obergeschossen öffnenden
Fenster weisen gehauene Gewände aus Kalkstein auf. Die Fenster heben sich gestalterisch in besonderer Weise aus den sonst
schmucklosen Fassaden hervor. Sie sind jeweils als Dreiergruppe angeordnet und werden durch den weissen Kalkstein der Gewände formal
zusammengefasst: unten zwei kleine Rechteckfenster, oben ein grossflächiges Stichbogenfenster mit gesprosster Verglasung.
West- und Ostseite sind nicht befenstert. An der Ostseite schliessen die Drähte der zuführenden Freileitungen an. Einst
gingen von der Turmwestseite die Leitungsdrähte Richtung Dorf. Heute geschieht die Verteilung über erdverlegte
Kabelleitungen.
Produziert wurden in der ehemaligen Ziegelei u.a. Backsteine, hochwertige Dachziegel, Röhren
und Tontöpfe, die mit Pferdefuhrwerken ausgeliefert wurden. Der fehlende Bahnanschluss und die Erschöpfung des Rohstoffvorrates
waren die Gründe, warum die Fabrik
1917 zum größten Teil abgerissen wurde. Teilweise sind die Fabrikgebäude um die Trafostation noch erhalten,
allerdings nicht mehr als solche erkennbar, da sie verändert, umgebaut und mit Anbauten versehen wurden. Das Haus
neben der Transformatorstation sei die Kantine gewesen.
"Die Ziegelei Hofen wurde 1834 gegründet und nahm 1861 ihren Betrieb auf. Ab 1870 gehörte die Fabrik zu den Vereinigten
Ziegelwerken Thayngen, Hofen und Rickelshausen (Zündel & Cie Thayngen).
Der Betrieb beschäftigte 100 Personen. Der Ton wurde in der "Lättgrueb" gewonnen und mittels einer 400 m langen Drahtseilbahn
zur Fabrik transportiert.
Als Erinnerung an diese Zeit führt heute noch die Kanalstaubrücke (siehe drittes Bild von links, obere Reihe) bei der
Wuhr über die Biber." (Andreas Meile, Quelle siehe unten)
Weiterhin erzählte uns der Anwohner, dass der Turm auch für den Naturschutz genutzt werde. Durch
Schlupflöcher im Obergeschoss haben z.B. Greifvögel Zugang. Bis vor ca. 15 Jahren seien Schleiereulen drin gewesen,
heute wohnen hier Turmfalken, deren Jungen vom kantonalen Vogelschutz beringt werden.
Quellen:
- Mündliche Auskunft eines Dorfbewohners, 5. August 2011
- Kurzinventar Hofen der Gemeinde Thayngen
- Andreas Meile: Die Dorfgeschichte von Hofen
- Tonindustrie-Zeitung 1909, Nr. 24, Seite 218; gefunden im Archiv Historische Dachziegel
- Historisches Lexikon der Schweiz: Hofen
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Stand: 22. Februar 2012
Carpe diem
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